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Heinrich Albert und die Volksmusik

Andreas Stevens

Aus: Sänger & Musikanten, Heft 1, Jan./Febr. 2005

(Originaltext, mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

<<< Literatur <<<

Obwohl der Name Heinrich Albert (1870-1950) vorrangig für das künstlerische Gitarrenspiel steht, hat sich dieser vielseitige Musiker in seinem umfangreichen Schaffen mehr, als man auf den ersten Blick vermutet, mit instrumentaler und vokaler Volksmusik beschäftigt. Schon in seinem ersten Lehrwerk - der Modernen Lauten- oder Gitarren-Schule von 1911, veröffentlicht im Leipziger Paul-List- Verlag - heißt es: "und die Volkslieder dürften dazu beitragen, das Instrument populär zu machen" .

Der erste Band erreichte eine Auflage von mindestens Zwölftausend, wie aus meinem Exemplar zu sehen ist. Darin finden sich Volkslieder (21) aus verschiedenen Städten und Regionen Deutschlands wieder, z . B . aus Frankfurt, Stuttgart oder dem Siebengebirge, ferner altes Liedgut, wie All mein Gedanken (mit der Datierung 1460) oder Das Käterlein (1615).

Bei dem Lied Die Nonne von 1782 in e-moll, das 1907 schon in einer Fassung in d-moll als Musikbeilage der Zeitschrift Gitarre-Freund erschienen war, kann man die Quelle der Vorlage erkennen, die von Albert "harmonisiert und für Laute oder Gitarre gesetzt" wurde: Deutscher Balladenborn für jung und alt. Im viele Jahre später erschienenen zweiten Teil erschien auch das bereits 1912 als Notenbeilage im Gitarre-Freund abgedruckte Spinnlied in G-Dur, und zwar mit der Quellenangabe "Volksweise nach Jahns Deutsche Lieder für Jung und Alt".

Bei den Instrumentalstücken finden sich 5 Ländler, deren ersten Albert als "Süddeutschen Volkstanz, auch in Osterreich und Tyrol" ausgab, des weiteren eine Rheinländische Polka, einen Polnischen Tanz, Arie Tarantella, ein Gondellied, eine Barcarole und eine sizilianische Weise.(1)

In seinem großen Lehrwerk "Moderner Lehrgang des künstlerischen Gitarrenspiels" (1916) sind immerhin beide Bände des ersten Teils dem "Volkslied und [der] Gitarre" gewidmet. Dazu bemerkt Albert auf Seite 15: "Das natürlichste Begleitinstrument zum Volkslied ist unbestritten die Gitarre, deren Vorzug es ist, den Sinn für Tonschönheit, Rhythmus und Klangfarbe zu wecken und die Erwerbung der Grundelemente der Harmonie sich bald anzueignen".

Für die in Abteilung A gedruckten 13 Volkslieder darf man eine ähnliche Quellenlage vermuten, wie sie sich für die "Moderne Lauten- oder Gitarre-Schule" darstellt. Auch in diesem Lehrwerkfindet sich als erstes Instrumentalstück ein Ländler (s.o.). In der Abteilung B sind wiederum 12 Volkslieder versammelt, doch bei den instrumentalen Beispielen verlagert sich das Gewicht - von einem Marsch und einer Polka abgesehen - hin zum künstlerischen Solospiel. Es taucht nun Gitarrenliteratur von Komponisten wie Giuliani und Marella auf. Auch Alberts eigene Werke, Capriccios oder eine Romanze, ändern ihren Tonfall.

Fränkische Lieder

Während die meisten der Lieder unkommentiert abgedruckt werden, fügt Albert in zwei Fällen eine Erläuterung hinzu: bei Maria von Retzbach und St. Kilian. Dies belegt die Verbundenheit, die er mit seiner Geburtsstadt Würzburg empfand, und die u . a. dazu führte, dass er 1924 einen Versuch unternahm, dorthin überzusiedeln, "um dort in größerer Ruhe für die Gitarre zu komponieren". In einem Brief an seinen Herausgeber Julius Zimmermann vom 15. Januar 1924 schreibt er: "Ich hätte dort durchaus keinen zu kleinen Wirkungskreis, es soll mit Hilfe des dortigen staatlichen Conservatoriums so eine Art 'Hochschule für Gitarre' errichtet werden ." (2) Mehrfach spielte er in dieser Stadt - zwischen 1919 und 1928 sind fünf Konzerte dort belegt - und auch sein Abschiedskonzert fand dort am 27. Juni 1943 beim 20. Mozartfest in Würzburg statt.

Ländler-Kompositionen

Der zweite Teil der Modernen Lauten- oder Gitarre-Schule, die bei Max Biering in Leipzig gedruckt ist, enthält einen weiteren Ländler in E-Dur, der spieltechnisch und harmonisch weit über die bisherigen hinausreicht.

Das Heft 1 (leicht) der "Leichten Unterhaltungsmusik für Gitarre" enthält noch einen Satz Rheinländisch und einen Marsch, das Heft lI (mittel) den Innsbrucker-Marsch und einen Bayrischen Ländler. Allein in den Lehrwerken Heinrich Alberts sind also mehr als 50 Volkslieder "harmonisiert und für Laute oder Gitarre gesetzt" zu finden, daneben etwa ein Dutzend Gitarrenstücke, die aus der Volksmusik inspiriert sind . Nicht zu übersehen ist der Umstand, dass einige seiner konzertanten Werke volksliedhafte Melodik ufweisen, so z. B.: Altspanisches Lied, Italienisches Lied, Wellenspiel oder Waldrauschen. Albert nutzte also den populären Zeitstrom des zur Laute oder Gitarre gesungenen Liedes und leitete die durch diesen Einstieg gewonnene Klientel - bei entsprechender Neigung - zum künstlerischen Gitarrenspiel weiter. Dies war vielleicht unter den damaligen Bedingungen auch verkaufstechnisch begründet, tatsächlich ist eine Erdung musikalischer Ausdrucksformen in der von Albert vorgenommenen Weise mustergültig; sie wird heute meist behelfsweise mit angloamerikanischem Liedgut versucht.

Anmerkungen:

(1) Für Gitarrenquartett schrieb Albert zwei weitere kurze volksmusikalische Stücke: Einen Alten Ländler und einen Altbayerischen Ländler, beide in der Reihe Spielmusik für Lautenchöre (4 Gitarren) im Leipziger Verlag Zimmermann veröffentlicht. <<<

(2) Frau Bieber vom Zimmermann-Verlag, Leipzig, gilt mein herzlicher Dank für die Erlaubnis zur Einsicht in den Briefwechsel Albert-Zimmermann. <<<

Quelle: Andreas Stevens-Geenen: Heinrich Albert und die Volksmusik, in: Sänger & Musikanten, Heft 1, Jan./Febr. 2005.

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